Neue Mitbewohner in der Hütte

Wir befinden uns in Woche 3 der Viehhüter-Zeitrechnung, und es wird einem hier einfach nicht fad – auch wenn ich nicht nur von einem Menschen schon gefragt wurde: “Und was machst Du da oben die ganze Zeit?” Es ist schwer auf so etwas eine Antwort zu geben. Zum einen empfinde ich eine solche Frage beinahe als Angriff – wenn auch als einen ungewollten. Denn ich sehe es als mein größtes Privileg hier oben Zeit zu haben. Was zum anderen beinhaltet, dass ich nicht alles mit Tätigkeiten und „Terminen“ belege und vor allem: Mir nicht auch noch Gedanken mache, womit genau meine Tage erfüllt sind. Vielleicht manchmal einfach durch Nichtstun und Nachdenken?

Das ist Alfred unser Siebenschläfer (um halb drei in der Nacht...)

Das Vieh ist nun fast schon bei uns rund um die Hütte, um dann nachher oberhalb nach einer weiteren Hangweide ins alpine Gelände entlassen zu werden, wo es frei laufen kann. Da, wo die (mittlerweile) 83 Kühe jetzt sind, ist es ein wenig, wie einen Flohzirkus zusammen zu halten. Links und rechts sind Gräben, wo die Verletzungsgefahr hoch ist, weshalb Elektrozaun und Stacheldraht helfen müssen. Das wiederum sieht man an meinen Händen, weil ich leider noch immer oft vergesse mir Handschuhe und Zange mitzunehmen. Und einen Stacheldraht ohne Werkzeug zu reparieren hinterlässt leider bei aller Vorsicht Spuren.

Das ist Alfred unser Siebenschläfer beim

Diesen Sommer ist alles auch ein bisschen anders was unsere Hüttenbewohner angeht: Nach einer regelrechten Mäuseplage im vergangenen Sommer haben wir heuer noch keinen einzigen Hannibal-Nachkommen gesehen. Dafür haben wir einen putzigen Siebenschläfer, der nachts im Vorhaus ziemlich viel Krach macht und zwei Schwalbennester mit zirpenden Küken im Stall. Alfred, der Siebenschläfer (ich hatte bisher noch nie einen gesehen), ist optisch so etwas wie ein nachtaktives Eichhörnchen. Große schwarze Nacht-Knopfaugen, ein buschiger Schweif und ein unstillbarer Apetit auf alles was herumliegt und essbar ist. Und er kann einfach die Holzteller bei uns im Küchenregal nicht in Ruhe lassen, weshalb ich nachts um circa drei Uhr immer von großem Gepolter wach werde. Dafür ist mir auch schon ein nettes Foto von ihm gelungen. Man muss sich halt noch einen ca. 15 cm langen buschigen Schwanz dazudenken.

Bei der Gelegenheit noch einmal: VIELEN vielen Dank für das tolle, nette, liebenswerte Feedback zum Almbuch. Und falls jemand wirklich wissen will, was ich mit meiner Zeit hier oben mache wenn einmal nichts zu tun ist: Ich denke darüber nach, was als nächstes in ein Buch gegossen werden könnte…

Liebe Grüße!
Almöhi Tobi

Keine Kommentare dazu möglich.


4 Kommentare für “Neue Mitbewohner in der Hütte”


  1. art ischocke schreibt:

    Kuhl! In jeder Hinsicht: Text (InfoFaktor + Stil) und Fotos. Das Cover ist übrigens auch nicht schlecht…
    Für Urlauber am Bauernhof ein Buch mit Doppelnutzen: zum Selberlesen und als special incentive für die Vermieter – auch wenn Bauern zum Lesen nicht viel Zeit haben, und im Sommer schon gar nicht…
    Ich werd’ mir auf jeden Fall noch mindestens 2 Kuhl-Exemplare besorgen: für die beiden BioBauern meines Vertrauens – und wenn ich’s ihnen zu Weihnachten schenk… Denn Urlaub am Bauernhof hab ich noch nie gemacht – bin eher in diesem Umfeld aufgewachsen. Und daher auf die Reaktion der “Experten” gespannt.
    Die Quadratur des Kreises (SachInfo interessant präsentiert, kombiniert mit Stil + Esprit)ist in diesem Fall perfekt gelungen – gratuliere! Und das bei einem Sujet, das nicht unbedingt “a g’mahte Wiesn” ist…
    Gruß aus Wien

  2. Lisa schreibt:

    Ich habe gerade das Buch fertig gelesen…schade!!!
    Einen schönen Alm-Sommer wünsch’ ich!

  3. Anja schreibt:

    Hallo Tobi!

    Bin begeistert von deinem Buch, das nicht nur informativ, sondern auch sehr humorvoll geschrieben ist! Werde es auch noch öfter verschenken…..

    Falls du mir weiterhelfen kannst: Ich bin selbst auch sehr daran interessiert, mal einen Sommer auf einer Alm zu arbeiten! Wie bist du jetzt genauer an deinen Job gekommen? Einen solchen Vorbereitungskursus sollte man oder frau auf jeden Fall mitgemacht haben, nicht? Ich stelle mir einen solchen Alm-Aufenthalt sehr wohltuend vor, auch wenn es mit viel Arbeit verbunden ist. Aber unsere sogenannte “Zivilisation”, die uns Menschen leider oft mehr schadet als nützt, mal hinter mich zu lassen für ein paar Monate, würde mir sehr gefallen…. Einzig und allein das Alleinsein nachts da oben könnte mir echte Probleme bereiten. Drum wäre es mir auch lieber, wenn ich diesen Almjob mit jemand anderem zusammen ausüben könnte.

    Wie schon erwähnt, für spezielle Tips, wie ich an einen solchen Job kommen könnte, wäre ich dir dankbar!

    Almerische herzliche Grüße von Anja

  4. Viehhüter Micke schreibt:

    Hallo, Anja!

    Erst einmal danke für Deine lieben Zeilen. Zu Deiner Frage, auch für alle anderen, die das interessiert: Ich hab’s zwar auch im Buch (im Vorwort) erwähnt, aber doppelt hält besser, auf http://www.almwirtschaft.com – sowieso eine interessante Seite – gibt es in der rechten Spalte eine Kategorie “Stellenmarkt”. Wenn Du da reinklickst, wirst Du alles finden, was Du brauchst. Was den Viehhüterkurs angeht: Den brauchst Du wohl nicht zwingend, wenn Du eh nicht allein auf eine Hütte willst, außerdem ist es ja bei vielen Interessierten auch eine Frage der Zeit. Der Kurs ist aber jedenfalls hochinteressant, vor allem, wenn man sich ein bisschen für das Thema interessiert. In Österreich gibt es diesen Vorbereitungskurs jedes Jahr im Frühjahr in Imst (Tirol) und in Kärnten an der Landwirtschaftsschule Litzlhof. Bester Kontakt hierzu: Die Kärntner Landwirtschaftskammer: http://www.lk-kaernten.at (ruf dort am besten an)
    Ich bin mir aber “wie geschrieben” ziemlich sicher, dass es das auch im bayerischen Raum gibt. Da würd ich Dich aber bitten, selbst zu recherchieren. Ist für mich von hier aus auf der Alm auch nicht ganz leicht…
    Jedenfalls: Viel Glück bei Deiner Suche und nicht den Mut verlieren, denn “Mit der Zeit wird aus Gras Milch!”
    :-)
    Tobi