Das letzte schwere Morgengewitter zieht gerade im Osten aus dem Gailtal. Man hört es noch toben, aber es wird uns heute, am Kirchtagssonntag in Rattendorf nicht mehr betreffen. Gestern wurde unten im Ort der Kirchtagsbaum aufgestellt. Es ist eine der letzten Gelegenheiten, das manuelle Aufstellen dieses Riesendings wie in alten Zeiten zu bewundern. Die EU hat dieses Baumaufstellen (Maibaum, Oktoberfestbaum etc…) aus Sicherheitsgründen eigentlich schon längst mit einem Kran verordnet, aber solange nichts passiert, wird man hier nicht päpstlicher als der Papst sein. Jedenfalls braucht es gut 50 Mann und ein regelrechten „Bestecksatz für einen Riesen“ mit Schlingen, Schlaufen und Haken, um den Baum in sein fast zwei Meter tiefes Loch zu versenken. Ab diesem Moment tönt stündlich die Kirchtagskanone und das Bier wird angezapft…

Bei uns hat sich leider eine kleine Tragödie (Buchlesern nicht unbekannt) ereignet: Unser Siebenschläfer Alfred ist draußen im Garten in einem Plastikmalerkübel, den wir zum Salatgießen verwenden in lächerlich seichtem, fünf Zentimeter tiefem Wasser ertrunken. Das war wirklich, wirklich traurig. Wir hatten den kleinen Kerl (trotz seines nächtlichen Radaus) richtig lieb gewonnen. Wir haben ihm neben Hannibal (der berühmten Maus) begraben und ihm viel Spaß im Siebenschläferhimmel (da gibt’s bestimmt jede Menge Siebenschläferinnen, die es in der Hütte nicht gab) gewünscht.
Ansonsten kämpfen wir derzeit ziemlich mit dem Vieh. Die Racker sind auf der letzten Weide, bevor es in die offene Hochalm geht und sollten dort auch noch circa eine Woche lang bleiben, um das Gras dort zu dezimieren, sie wollen aber nicht. Am letzten Weidezaun vorbei haben sie sich einen Weg an einem Steilhang entlang in die Hochalm gebahnt, den ich bestenfalls kletterbeflissenen Ziegen zugetraut hätte. Und so mussten wir in einer mehrstündigen Aktion zu zweit 25 unwillige Rindviecher aus dem Paradies zurück in die Wirklichkeit holen. Ich hätte nicht gedacht, dass wir das zu zweit schaffen würden und bin im Nachhinein sehr stolz auf uns. Es ist schon für einen Viehhüter extrem wichtig rechtzeitig in hohes Naheverhältnis zu seinen Kühen aufzubauen, damit sie im Ernstfall auch folgen.
So. Die Sonne scheint. Auf zum Vieh! Mal sehen, was sie heute Nacht wieder angestellt haben…
Euer Almöhi
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24. 31. 2008 um 14:19
Hallo Tobias,
eben habe ich die vorletzte Seite deines Buches passiert und bin deshalb auf dieser Seite gelandet. Super, nach der sehr lehrreichen und lustigen Lektüre auch noch an Euren Erlebnissen im dritten Almsommer teilhaben zu können!
Als ich vor zwei Wochen Dein Buch in einem Mainzer Buchladen an der Kasse liegen sah und gleich mitnahm, wusste ich noch nicht, dass ich diesen grandiosen Ausblick den Du in deinen Bildern eingefangen hast, noch vor einem Monat selbst im Urlaub genossen habe.
Normalerweise genieße ich das Gefühl, von Büchern in andere Welten getragen zu werden, auch wenn das immer mit etwas Abschiedschmerz nach der letzten Seite verbunden ist. Ich war sehr skeptisch gegenüber dieser scheinbar grenzenlosen Verquickung von in Büchern Gelesenem, selbst Erlebtem und weiterem Eintauchen und auch Entzaubern durch Homepages und Blogs. Aber grad finde ich es toll und genieße mein zweites Frühstück mit Gailtaler Honig und Rattendorfer Hauswürstel.
Euch noch ganz viel Spaß, gutes Gelingen, wenig Verletzungen.
Tamara