Puuh, das war keine ganz leichte Woche! Schwester aus Aachen zu Besuch mit meinen zwei Neffen (13 und 15) und meiner Nichte Carla (3). Die Schwester zu sehen nach langer Zeit, mit ihr am Abend bis spät in die Nacht zu qautschen war schon allein hochinteressant – speziell in diesem Umfeld.

Wandern mit den Buben zum Vieh, zwischendurch Schwarzbeeren klauben, zum ersten Mal sich die salzige Hand von einer rauen Kälberzunge abschlecken lassen, Murmeltiere kichernd in „Mummeltiere“ umtaufen, der Gams, dem Hirsch und dem Fuchs spurenmäßig nachstellen. Mit den eigens für die beiden geschnittenen Hilfsviehhüterstäben Schwertkampf „der junge Darth Vader gegen den noch bartlosen Gandalf (Episode X)“ spielen, dass das Echo der schlagenden Holzstöcke nur so ins Tal kracht.
Grillabend mit Marshmellows beim Sternschnuppen und Satelliten schauen. Zusatzdecken für die eiskalten Nächte im Lager. Und dann – Carla. Erstaunlich wanderfit geht sie bis hinauf zu den ersten Kühen (eine Stunde bergauf!) und auch wieder retour, Anfreunden mit den beiden Schweinchen, die dann doch etwas zu groß und zu ungestüm für die Kleine sind, Kinderlieder singen, die ich längst vergessen hatte. Ungewohntes, unbekanntes Essen: Was ist das, Frigga? Kartoffeln, Käse, Zwiebel, Apfel, Speck in einer Pfanne. Gar nicht schlecht. Mami, können wir das auch zuhause in Aachen probieren? Und am Ende: Mami, können wir die Viehhüterstäbe nicht mit ins Flugzeug nehmen?
Bei der Abreise ist jedenfalls allen klar, dass dies ein sicher einzigartiger und unvergesslicher Kurzurlaub für die ferne Verwandtschaft war. Eine tolle Gelegenheit ohne die üblichen Peinlichkeiten mal was richtig Vernünftiges (nicht nur Kinogehen und Playstation spielen) mit den heranwachsenden Neffen zu machen. Und eigentlich: Sie haben sich verdammt geschickt angestellt, waren beim Berggehen gar nicht so brustschwach, wie befürchtet (im Gegenteil), haben sich beim Schnitzen nicht verstümmelt, und den Schlaf, den uns die kleine Carla ab Sonnenaufgang genommen hat, den können wir ja jetzt nachholen. – Beinahe unerträglich, diese plötzliche Stille hier oben. Auch daran muss man sich erst einmal wieder gewöhnen…
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31. 31. 2008 um 17:23
Servus Tobias!
Mit deinen Buch habe ich mich in den letzten Regenstunden köstlich unterhalten. Es freut mich sehr, daß Du ein so unterhaltsames Buch über ein sehr stapaziertes Thema geschrieben hast.
Bin selbst Bergbäuerin und weiß, daß es nicht immer lustig und idyllisch ist, sondern harte Arbeit bedeutet.
Noch einen schönen Almsommer und Glück beim Vieh wünscht Euch
Regina
01. 30. 2008 um 12:01
vielen vielen dank für dieses unglaublich amüsante und zum nachdenken anregende kuhle almbüchli. ich hab es, so wie ich es in die hand nahm und ein paar mal hin- und hergedreht habe, schon in meine kleine persönliche feinste-spezialitäten-buchliste aufgenommen.
wieder und wieder bin ich am planen und tüfteln, wie ich so einen teilzeitausstieg mit meinem dienstgeber – leider kein privater – (und meiner familie – mann und kindi möchten da auch ein wenig mitaussteigen) vereinbaren könnte – und wieder und wieder schaff ichs nicht. BISHER jedenfalls.
mittlerweile bin ich fast besessen von dem gedanken ES ENDLICH ZU TUN! die kunst liegt glaub ich nur darin, mal auf vieles einfach zu “sch……” und sich einen grossen traum auch mal rücksichtslos zu erfüllen (ein wenig derb verbalisiert, aber ich sehe es so).
zwei monate irgendwo hoch oben am berg und nichts als ruhe, zeit und einfachheit, keine termine, kein druck, kein telefon, keine schnellen ach so wichtigen erledigungen – einfach nur…ach was erzähl ich dir denn da, du weisst es ja schliesslich selbst am allerbesten
nun, was auch noch gesagt werden muss: ich finde deine art das leben anzupacken und auch auszupacken wirklich “kuhl” und ich muss auch gestehen: ich beneide dich sehr.
ich hoffe, ich kann dir eines tages wieder mal ein briefchen schreiben, in dem ich dir einen kurzen abriss MEINER kleinen auszeit schildern kann.
liebe grüße auch an deine freundin olivia
eure julia
17. 30. 2010 um 20:33
Hallo Tobias,
vorab, Dein Buch ist einfach genial. Super geschrieben und die vielen Informationen sind echt hilfreich für unser Vorhaben.
Es war schon immer unser Traum oder Wunsch mal auf eine Alm zu gehen, aber man schiebt seine Wünsche leider viel zu oft nach hinten. Durch Zufall sah ich Dein Buch und sagte mir, dass ist genau das, was auf uns zutrifft “Das Almhandbuch für Stadtmenschen”. Mein Mann liest sonst keine Bücher – stell Dir vor in zwei Tagen hatte er es durch. Unser Entschluss hat sich durch Dein Buch von der Theorie in die zukünftige Praxis gewandelt, denn unser Almsommer soll das Jahr 2012 werden. Beide haben wir schon mit unseren Arbeitgebern gesprochen – wir haben Glück – wurde sogar genehmigt. Die ersten Anfragen bei verschiedenen Almbauern sowie Annoncen (www.zalp.ch) bzw. bei der Almwirtschaft Österreich sind gestartet. Kannst Du mir vielleicht trotzdem noch verraten, bei welchem Bauern bzw. Alm Du in Rattendorf warst? Wieviel Laibe Käse hast Du eigentlich am Tag hergestellt? Konntest Du das Käsen schon vorher oder wurde es Dir vor Ort erst gezeigt? Hattest Du immer einen Ansprechpartner vor Ort?
Vielen Dank für Deine bisherigen Informationen.
Gruß Ines
18. 30. 2010 um 23:49
Hallo Ines,
als Autor kriegt man die Gänsehaut bei Mails wie dem Euren.
Das ist wirklich superschön zu sehen, dass mein Büchlein derart als Katalysator dient.
In Rattendorf gibt es eine “bewirtschaftete” Gemeinschaftsalm der Dorfbewohner mit Speis und Trank, Betten und professioneller Almkäse-Herstellung und eine unbewirtschaftete, wo das Galtvieh (werdende Mütter, Teenager-Kühe) den Sommer verbringen; für die Racker war ich verantwortlich. Wie gesagt: Ist eine Gemeinschaftsalm. Ansprache am besten über den Obmann Albert Zankl. Wobei die meines Wissens hütermäßig mit meinem Nachfolger sehr gut versorgt sind.
Was den Käse betrifft: Ich hatte ja nur eine Milchkuh, deshalb habe ich die Milch von zwei Tagen (4 x Melken) immer zusammengenommen. Das heißt: Ich hatte jeden zweiten Tag einen schönen Laib Käse.
Vom Käsen hatten wir keine Ahnung vorher. Aber es gibt da Bücher (auch, was man an Ausrüstung braucht), und ich hab mir von den Nachbaralmen Tipps geholt. Am Anfang wirds aber sicher ein paar Mal schief gehen. Learning by doing…