Archiv fü September, 2008

Wir rücken vor Frau Holle ab

Verzeihung, liebe Leser für die chronologische Lücke in meinem Almblog. Die Natur hat sich ihr Recht geholt diesbezüglich, dass es auf der Alm keine Sünde gibt (angeblich) und demzufolge auch kein Internet…

              Hermann, unser liebenswert-ruppiger Ochse

Nicht nur, dass mein Laptop aufgrund des Feinstaubs vom Hausbrand seinen Geist aufgegeben hat, auch die kleine Solarzellenanlage wollte zum Schluss ganz und gar nicht mehr. Zu viel Nebel, zu viel Kälte. Was auch seine schönen Seiten hatte: Alles bei Kerzenlicht (sogar das Duschen – immerhin mit warmem Wasser) und deutlich weniger spätabendliche Jagd-Besucher (weil sich keiner zur Hütte traut, wenn nicht offensichtlich Licht brennt).
Jedenfalls ist unser Vieh seit vergangenem Wochenende wieder im Tal. Alle wohlbehalten, alle dick und fett, superfit, zutraulich. Es fiel uns sehr schwer, unten auf der Dorfwiese Abschied zu nehmen. Mit fast jedem Tier verbindet sich eine kleine Geschichte: Die eine aus größter Not befreit, die andere wochenlang verarztet. Die Dritte achtungsvoll verwöhnt, weil sie ein Drittel der Herde (mit Hilfe des Viehhüters) wieder aus einem tiefen Graben über Hunderte Höhenmeter wieder auf die Almwiesen geführt hat.
Jetzt, am Ende, wird es bei einem Almsommer immer kitschig schön. Auch wenn man morgens erst das Eis vom Brunnen entfernen muss, um die Frühstücksmilch zu holen. Auch wenn die Klobrille ebenso tiefgefroren ist und man nachts aufstehen muss, um nachzuheizen. Irgendwann scheint dann doch wieder die Sonne hindurch und man verinnerlicht noch einmal, wie überirdisch man es doch monatelang gehabt hat. Es wird einem alles abgehen: Das Holzhacken, das Einheizen, das Abzweigen von Zuvielgekochtem für die beiden Schweinchen, sogar die unfassbaren Gewitterstürme. Aber vor allem die Stille.

           Schweine-Idylle auf der Riegelalm

Wirklich schwer gefallen ist uns der Abschied auch von unseren beiden Ferkellausern Sisi und Franz. Stattliche Almschweine sind sie geworden, die oft meilenweit von der Hütte entfernt den Kühen nachliefen um sie zu ärgern. Die abschließende Kälte hat ihnen nichts mehr anhaben können. Ein schönes weißes Fellchen haben sie aufgezogen und ein echtes Almtier, das hat von all dem guten (selbstgesuchten) Futter so viele Abwehrkräfte, dass es nicht mehr krank wird. Leser des Almhandbuchs kennen die schwierige Gratwanderung: Wir können die zwei nicht mit in unsere Stadtwohnung im 8. Stock mitnehmen. Wir haben Ihnen den Schweinehimmel auf Erden ermöglicht. Und wenn wir sie nicht gekauft hätten, dann hätten sie die Sommer vielleicht in irgendeinem zwielichtigen Maststall verbracht. Der Gedanke daran beruhigt das Gewissen zumindest ein wenig, wenn man sie dann an einen Bauern im Ort weiterverkauft.

        Abendstimmung auf der Rattendorfer Riegelalm

Es bleibt mir jetzt nur, mich noch einmal bei allen Lesern (auch für die vielen liebenswert-netten Kommentare) zu bedanken. Und das Almhandbuch ist bestimmt nicht das Letzte, das es von mir in Buchform gibt (dafür war der Almsommer einfach zu lang…). Wer sich die Durststrecke bis dorthin (gut Ding braucht Weile) etwas verkürzen will, dem sei ein (angeblich nicht minder witziges) Frühwerk meines Bruders und mir empfohlen: www.bikersbarbecue.com

Euer Stadtöhi (seufz!)